"Sei mir nicht böse, aber ..."

In Streitereien geben wir gerne unser ganzes Repertoire an Gemeinheiten zum Besten. Manchmal – im fortgeschrittenen Stadium – kommt aber eine besonders fiese Formulierung  zum Einsatz.

 

Wir fordern den anderen auf, nicht böse auf uns zu sein, kurz bevor wir etwas sagen, von dem wir wissen, dass es den anderen böse machen könnte. Es ist erstaunlich, wie hartnäckig sich diese Taktik in unserer Kommunikation hält. Und dass sie immer noch erfolgreich ist. Denn tatsächlich halten wir uns anschließend mit unserer Reaktion zurück. Da wir ja nicht böse sein sollten. Wenn wir selbst diese Formulierung anwenden, wollen wir uns damit die Erlaubnis geben, etwas besonders Gemeines zu sagen. Diese Taktik ist feige. Es ist so, wie wenn sie jemanden fesseln und ihn dann zum Kampf auffordern. Wenn wir schon harte Bandagen anziehen in unseren Gesprächen, dürfen wir den anderen nicht knebeln, sondern müssen für eine Auseinandersetzung bereit sein. Stellen Sie sich vor, unser Gehör ist so programmiert, dass wir „Sei mir nicht böse“ gar nicht hören können. Wie würden Sie das, was Sie anschließend sagen möchten, formulieren? Den Wunsch, dass der andere nicht böse auf Sie ist, hätten Sie ja trotzdem. Nur dass Sie jetzt mehr dafür tun müssten, als ihn plump dazu aufzufordern. Das Nachdenken über alternative Formulierungen ist der Anfang einer besseren Kommunikation. Und falls Sie wieder einmal jemand zum nicht böse sein auffordert, unterbrechen Sie ihn sofort mit den Worten: Das weiß ich noch nicht! Dann wird er es sich gut überlegen, was danach kommt.

 

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